Inhalt

13. März 2021

Struktur ist entscheidend

Vor lauter Viren scheinen in der Corona-Krise Muskulatur und Herz-Kreislauf-System vergessen zu gehen. Was geschieht damit während des Lockdowns? Sonny Schönbächler ist beim Aufbau des Online-Angebots in seinem Fitnesscenter "Gymfit" davon ausgegangen, dass eine klare Struktur der Online-Angebote einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Fitness leisten kann.

Online-Pump des Gymfit bei Gladys Rohrer, begleitet von unserem Terrier Turbo.

Untersuchungen unter anderem des Robert Koch Instituts (RKI), das die Situation in Deutschland analysiert, haben ergeben, dass die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bereits während des ersten Lockdowns eine signifikante Zunahme des durchschnittlichen Körpergewichts und damit des Bodymass-Indexes der deutschen Bevölkerung verursachten. In der Schweiz sind die Massnahmen etwas moderater als beim nördlichen Nachbarn und daher wohl auch die Folgen des Bewegungsrückgangs durch Sportverbote und Homeoffice.

Das Beispiel zeigt: Massnahmen, die kurzfristig Lebensjahre erhalten, verursachen möglicherweise langfristig grössere Schäden. Die Frage stellt sich insbesondere bei Sportverboten nach dem Ziel der Massnahmen: Wird die Vermeidung einer kurzfristigen Überlastung des Gesundheitswesens angestreibt? Steht das Brillieren in der globalen Bilanz der Covid-Ansteckungen im Vordergrund? Würde das Ziel im Erhalt möglichst vieler Lebensjahre bestehen, müsste prognostiziert werden, wie viele Lebensjahre Herz-Kreislauf- und weitere Erkrankungen in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der Massnahmen dem kurzfristigen Erfolg bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie geopfert werden. Von der wissenschaftlichen Taskforce wären solche Abwägungen zu erwarten. Doch der starre Blick allein auf das Virus scheint alle anderen gesundheitlichen Aspekte vergessen zu lassen. Dies äussert sich darin, dass das beispielsweise das Verbot der Benutzung von Fitnesscenters und Hallenbädern wie auch dessen Aufhebung explizit zu erwähnen sowohl bei den Medienkonferenzen von Bundesrat, BAG und Taskforce als auch in der Berichterstattung der Medien meist vergessen geht.

Heute habe ich, wie jede Woche, an der online-Doppelstunde Pump und "Five"-Muskellängentraining teilgenommen. Vor allem im Oberkörper stelle ich fest, dass meine Muskulatur nachlässt - nur noch eines statt zwei Krafttrainings pro Woche, kein Schwimmen. Natürlich könnte ich zuhause eine zweite Kraft-Stunde einbauen. Aber dazu fehlt mir, wie Sonny Schönbächler treffend feststellt, die Struktur. Statt zwischendurch fünf Minuten zu planken, auf dem Sypoba-Brett Kniebeugen zu machen oder an den Zugseilen die Schwimm-Muskulatur zu begrüssen, kommt eine dringend zu beantwortende e-mail dazwischen oder ich erledige noch rasch einen Telefonanruf, hole einen Kaffee und fahre mit der Arbeit fort. Bereits im ersten Lockdown vor einem Jahr habe ich - trotz noch regelmässigerer Nutzung des Online-Fitness-Angebots - signifikant an Kraft verloren.

Dabei zähle ich zu den Privilegierten. Für mich ist Training so selbstverständlich, dass Jogging und Radfahren kaum leiden. Sobald Kurt Müller (siehe unten) seinen Schwimmkanal im neuen Shop eröffnet, werde ich ihn nutzen. Die Defizite werden in meinem Fall nach der Aufhebung der Verbote nach ein, zwei Monaten behoben sein. Aber wer im Januar keine Rolle zuhause hatte, um bei Schnee und Eis auf der Strasse in der warmen Stube eine oder zwei Stunden in die Pedalen zu treten, wer den Kreislauf mit wöchentlich zwei Stunden Aquafit pflegt, verliert, je nach Alter, unter Umständen unwiderbringlich Fitness und Kraft. Je länger die Sportverbote aufrecht erhalten bleiben, desto grösseren Schaden verursachen sie, vor allem bei älteren Menschen, die nur eine oder zwei Stunden pro Woche für ihre Fitness einsetzen.

Der Bundesrat hat die Indoor-Sportanlagen vor bald drei Monaten als "Freizeitanlagen" geschlossen. Es ist Zeit, sich mit den gesundheitlichen Schäden dieser Massnahme auseinander zu setzen. Es ist Zeit, Fitnesscenters und Hallenbäder wieder zu öffnen, um die Fitness der Bevölkerung wieder aufzubauen, um die Abwehrkräfte zu fördern, denn trotz Impfung werden Corona-Viren der Welt auf nicht absehbare Zeit erhalten bleiben.

www.gymfit-affoltern.ch

7. August 2020

Einfach und aussagekräftig

Coach Kurt Müller hat meine Leistung auf dem Rad mit dem Power Performance Decoder Test (PPD) von INSCYD analysiert: Ich musste bloss ein Training auf meinem eigenen Tri-Rad gemäss seinen Vorgaben durchführen, anschliessend haben wir die Ergebnisse der Analyse gemeinsam besprochen.

Kurt Müller selbst finishte eine dreistellige Zahl von Ironman-Wettkämpfen, bevor er als Gründer und Chef des Teams Koach, dem auch ich angehöre, die Rolle vom Aktivsportler zum Coach gewechselt hat. Unter anderem im Rahmen des Nachdiplomstudiums Sportmanagement sowie mit ständigen Weiterbildungen hat er seine praktische Erfahrung mit passendem theoretischem Wissen ergänzt. Nach der Analyse meiner Testresultate bespricht er sie mit mir, denn die Folgerungen hängen mit meinen Zielen zusammen.

Ursprünglich bin ich über die historische Forschungsarbeit zur Sportphysiologie gekommen: Ich analysierte die Mobilität der Unterschicht in der Zürcher Herrschaft des 18. Jahrhunderts und stellte dabei unter anderem fest, dass Menschen mit oft negativer Kalorienbilanz ihren Körper weder muskulär noch konditionell aufbauen können. Spannend ist, dass Kurt Müller bei der Beratung heutiger Triathletinnen und Triathleten genau hier ansetzt, denn auch bei gut genährten Menschen kann in bestimmten Situationen ein Kaloriendefizit bestehen: Je nach Art des Trainings unterscheiden sich die Anforderungen an die Ernährung.

Der Test ist einfach und clever: Lockeres Einfahren, 20 Sekunden Vollgas, locker weiterfahren, 3 Minuten Vollgas, regenerieren, 6 Minuten Vollgas, regenerieren, 10 Minuten Vollgas, ausfahren. Da die maximale Belastungszeit am Stück so kurz ist, lässt sich der Test gut in den Trainingsablauf einbauen. Vorher ist zwar Regeneration angesagt, anschliessend besteht hingegen kein besonderer Erholungsbedarf. Zudem erspart der Test im Vergleich zum Labor Anfahrts- und Wartezeiten - und er findet auf dem eigenen Rad statt, in derselben Position wie im Wettkampf. Es handelt sich um eine durchdachte Kombination von Theorie und Praxis.

Der Test analysiert Fett- und Kohlehydratverbrauch in Abhängigkeit von der Wattleistung, definiert die Laktatschwelle, die Anaerobe Schwelle und den maximalen Sauerstoffverbrauch. Die Kenntnis dieser Werte erlaubt eine gezielte Trainingsstrategie abhängig von den individuellen Zielen. Besonders wichtig ist die Kenntnis des regenerativen Bereich, denn dessen gezielte Förderung erhöht den Leistungsbereich, der regenerativ wirkt. Dadurch, dass sich der Test nahtlos ins Training einbauen lässt, kann er öfters wiederholt werden.

Es lohnt sich, den Trainingsaufbau gerade auch im aktuellen "Corona-Jahr" zu periodisieren, das nicht ganz einfach ist, da die Reize der Wettkämpfe fehlen. Vielleicht findet ja der Ironman 70.3 Rapperswil tatsächlich statt - und wenn nicht, hat seine Planung bei der Periodisierung des Trainings zumindest geholfen.

www.kmsportcoaching.ch

GO-BACK